Die 10 bedeutendsten Gletscher in Georgien
Der Große Kaukasus bildet die natürliche Nordgrenze Georgiens und ist eines der gletscherreichsten Gebirge Europas und Westasiens. Auf georgischem Territorium liegen einige der bedeutendsten Gletscher des gesamten Kaukasus, darunter der zweitlängste Gletscher des Gebirges. Die Gletscher des georgischen Kaukasus versorgen die großen Flüsse des Landes — Enguri, Rioni und Terek — mit Schmelzwasser und sind für die Wasserverfügbarkeit in Georgien und den angrenzenden Ländern von erheblicher Bedeutung. Alle georgischen Gletscher sind auf der Karte erfasst.
1. Leingori-Gletscher (Zanner-Gletscher), Svaneti
Der Zanner-Gletscher im Hochland von Svaneti ist der längste Gletscher Georgiens und einer der längsten des gesamten Kaukasus. Er fließt vom Südwesthang des Gestola (4.860 m) und des Tetnuldi (4.858 m) herunter und mündet in den Enguri-Fluss. Das Gletschereinzugsgebiet liegt im Herzen des Svaner Hochlandes, einer Region mit jahrhundertealter Bergbauernkultur, deren Wehrtürme und mittelalterliche Dörfer zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören. Der Zanner ist wissenschaftlich gut dokumentiert und gilt als Referenzgletscher für Gletschermonitoring im Kaukasus.
2. Adishi-Gletscher, Svaneti
Der Adishi-Gletscher liegt oberhalb des Dorfes Adishi im Hochsvaneti und ist auf dem populären Svaneti-Trekkingroute gut zugänglich. Der Gletscher calvert in den Adishi-See, der sich durch den Rückzug des Eises in den letzten Jahrzehnten erheblich vergrößert hat. Die Überquerung des Adishi-Flusses unterhalb des Gletschers ist eine der Hauptschwierigkeiten auf dem Mestiachala-Trek — bei hohem Wasserstand durch Gletscherschmelze kann die Durchquerung gefährlich sein. Die Umgebung mit den Sandsteinformationen und dem türkisfarbenen Gletschersee gehört zu den malerischsten des gesamten georgischen Hochgebirges.
3. Chalati-Gletscher, Svaneti
Der Chalati-Gletscher fließt vom Shkhara-Massiv herunter, dem höchsten Gipfel Georgiens (5.193 m). Er ist einer der mächtigsten Gletscher des Landes und gut von Mestia aus zu Fuß erreichbar. Chalati ist ein klassischer Talgletscher mit einer von Seitenmoränen eingefassten Zunge, die in ein breites Gletschertal mündet. Die Oberfläche der Zunge ist von Schutt bedeckt, was die Schmelzrate verlangsamt. Bergsteiger und Glaziologen nutzen diesen Gletscher als Ausgangspunkt für Aufstiege auf den Shkhara und angrenzende Gipfel.
4. Gergeti-Gletscher (Kazbegi-Gletscher), Kazbegi
Der Gergeti-Gletscher fließt vom Kazbegi (5.047 m), bekannt auch als Mkinvartsveri oder auf Russisch Kasbek, und ist vielleicht der am häufigsten fotografierte Gletscher Georgiens. Sein Ausgangspunkt liegt direkt über der Gergeti Trinity Church, einer mittelalterlichen Kirche auf einem Felssporn, die zu den ikonischsten Sehenswürdigkeiten des Landes gehört. Der Gletscher ist seit Jahrzehnten im Rückzug, und der Gletschersee an seiner Zunge hat sich merklich vergrößert. Trekker aus aller Welt besuchen Kazbegi und beobachten den Gletscher im Hintergrund der berühmten Kirchensilhouette.
5. Devdoraki-Gletscher, Kazbegi
Der Devdoraki-Gletscher am Nordhang des Kazbegi ist historisch bekannt für verheerende Gletscherausbrüche, sogenannte Gletscherläufe oder Jokulhlaups-ähnliche Ereignisse. Im Jahr 1832 beschädigte ein Gletscherabbruch die historische Georgische Heerstraße, eine der ältesten Verbindungsrouten zwischen dem Kaukasus. Im Jahr 2014 ereignete sich erneut ein Eissturz, der die Straße blockierte. Der Devdoraki ist damit ein eindrucksvolles Beispiel für die glaziale Gefahren, die von hängenden Gletschern in steilen Bergflanken ausgehen können.
6. Shkhara-Gletscher, Svaneti
Der Shkhara-Gletscher liegt am Fuß der Shkhara-Wand, einer der imposantesten Bergwände des gesamten Kaukasus. Die Südwand des Shkhara steigt nahezu senkrecht aus dem Gletscherbecken auf über 5.000 Meter auf — ein architektonisch überwältigender Anblick. Der Gletscher selbst ist reich an Seracs und Spalten, was ihn für Laien unzugänglich, aber für erfahrene Alpinisten zu einer faszinierenden Herausforderung macht. Die Besteigung des Shkhara von der georgischen Seite gilt als eine der anspruchsvollsten Hochtouren im Kaukasus.
7. Lardaad-Gletscher, Racha-Region
Der Lardaad-Gletscher liegt in der weniger bekannten Racha-Region Georgiens östlich von Svaneti. Diese Gletscher sind weniger erforscht als die berühmten Svaner Eisfelder, aber nicht weniger beeindruckend. Die Racha-Region ist bekannt für ihre abgelegenen Bergdörfer, ihr Weinbaugebiet und die wenig begangenen Trekkingrouten. Gletscher wie der Lardaad bilden die Quellbereiche kleiner Bergflüsse, die die Täler der Region bewässern.
8. Nenskra-Gletscher, Svaneti
Der Nenskra-Gletscher liegt im Einzugsgebiet des Nenskra-Flusses, einem Nebenfluss des Enguri. Die Region ist durch Pläne für den Bau des Nenskra-Staudamms bekannt geworden, der Schmelzwasser aus den Gletschern des oberen Einzugsgebietes zur Stromerzeugung nutzen soll. Das Projekt hat erhebliche ökologische und soziale Diskussionen ausgelöst, da es die Wasserführung der Gletscherzuflüsse verändern würde. Der Gletscher selbst liegt in schwer zugänglichem Gelände nahe der Grenze zu Russland.
9. Ushba-Gletscher, Svaneti
Der Ushba-Gletscher liegt am Fuß des Ushba (4.710 m), eines der formvollendetsten und gefährlichsten Gipfel des Kaukasus. Der Doppelgipfel des Ushba mit seinen senkrechten Granitwänden gilt als einer der technisch schwierigsten Berge der Welt. Der Gletscher im Talgrund unterhalb der Ushba-Wände ist ein dramatisches Ensemble aus Eis, Fels und himmelwärts strebenden Türmen. Ushba bedeutet auf Svaner etwa so viel wie unheilbringender Berg — ein Name, der die gefürchteten Wetterbedingungen und die alpinistische Schwierigkeit widerspiegelt.
10. Tviberi-Gletscher, Svaneti
Der Tviberi-Gletscher fließt vom Laila-Massiv im Hochsvaneti herunter und ist Teil des größeren Gletschersystems im Oberen Enguri-Einzugsgebiet. Er ist ein klassischer Talgletscher mit einer deutlich sichtbaren Endmoräne, die den früheren Eisstand markiert. Der Weg zum Tviberi ist von Mestia aus in mehrtägiger Wanderung erreichbar und führt durch abgelegenes Weideland und Alpingelände, das noch kaum von Massentourismus berührt ist.