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Perito Moreno oder Upsala-Gletscher: Welchen sollte man besuchen?

Im argentinischen Teil Patagoniens, im Nationalpark Los Glaciares, liegen zwei der beeindruckendsten Gletscher der südlichen Hemisphäre in relativer Nachbarschaft: der Perito Moreno und der Upsala. Beide speisen sich aus dem Südpatagonischen Eisfeld, dem drittgrößten Eiskörper der Erde nach den Polkappen, und beide münden in den Lago Argentino. Dennoch könnten die Erfahrungen, die ein Besucher an diesen beiden Gletschern macht, unterschiedlicher kaum sein. Wer die Wahl hat, sollte die Unterschiede kennen.

Der Perito Moreno ist weltberühmt — er zählt zu den wenigen großen Gletschern, die im 20. Jahrhundert nicht durchgehend geschrumpft sind, sondern eine dynamische Stabilitätsphase durchlaufen haben, in der Rückzüge und Vorstöße wechselten. Der Upsala ist dagegen der größte Gletscher Argentiniens nach Fläche und gleichzeitig einer der am schnellsten schwindenden. Beide Gletscher erzählen also grundlegend verschiedene glaziologische Geschichten.

Zugänglichkeit und Anreise

Der Perito Moreno ist vom Ort El Calafate aus über eine asphaltierte Straße in etwa 80 Kilometern Entfernung erreichbar. An der Gletscherfront hat die Nationalparkverwaltung ein ausgedehntes System von Gehwegen und Aussichtsplattformen errichtet, von denen aus die rund fünf Kilometer breite Eiswand aus nächster Nähe betrachtet werden kann — ohne Führung, ohne Ausrüstung, zu Fuß erreichbar. Das macht ihn zum touristisch erschlossensten Gletscher Patagoniens.

Der Upsala ist deutlich schwerer zugänglich. Er liegt am Nordarm des Lago Argentino und ist nur per Boot erreichbar. Von Puerto Bajo Caracoles aus fahren Katamaranboote durch die eisbergreichen Kanäle des Sees, deren Passage bei starkem Wind unmöglich ist. An Land kann man den Upsala nicht betreten — das Eis calvert zu aktiv, und die Zugänge sind nicht für Besucher ausgebaut. Das Erlebnis ist aus der Distanz, aber es ist ein anderes: Treibende Eisberge in allen Blautönen, Weite und Stille.

Die Gletscherfronten im Vergleich

Die Stirnwand des Perito Moreno ist zwischen 60 und 70 Meter hoch über dem Wasserspiegel und setzt sich unter Wasser noch tiefer fort. Das Spektakel dieser Wand besteht nicht nur in ihrer Dimension, sondern in ihrer Aktivität: Regelmäßig brechen Eisblöcke — manche so groß wie ein mehrstöckiges Gebäude — aus der Front heraus und stürzen mit dumpfem Donnern in den Lago Rico, einen der Seitenarme des Lago Argentino. Diese Kalbungsereignisse lassen sich von den Aussichtsplattformen aus beobachten und sind eines der dramatischsten Naturschauspiele, die ein Gletscher bieten kann.

Der Upsala calvert ebenfalls intensiv, produziert tatsächlich mehr Eismasse pro Zeiteinheit als der Perito Moreno — aber das Kalbungsgeschehen vollzieht sich im weiten Seebecken, und die Eisberge treiben frei. Was der Beobachter vom Boot aus sieht, ist die Gesamtheit dieser Eisberglandschaft: weiße und blaue Brocken verschiedenster Größen, die sich im ruhigen Wasser spiegeln, während im Hintergrund die Eiswand des Upsala und die Gipfel der umliegenden Cordillera aufragen.

Trekking auf dem Eis

Wer den Perito Moreno nicht nur anschauen, sondern betreten möchte, hat dazu Gelegenheit. Geführte Gletscherwanderungen — die sogenannten Minitrekking- und Bigice-Touren — führen in Gruppen mit Steigeisen auf die Eisoberfläche. Die Oberfläche des Perito Moreno ist aktiv und stark reliefiert: Schmelzwasserrinnen, Spalten, Eisformationen und Türme bieten ein reiches Erkundungsgelände für geführte Exkursionen. Die kurzen Halbtagstouren sind für Besucher ohne alpine Vorerfahrung geeignet; die längeren Varianten führen tiefer ins Gletscherinnere.

Am Upsala ist ein Betreten des Eises für reguläre Touristen nicht möglich. Wissenschaftliche Expeditionen gelangen gelegentlich auf das Eis, aber der Zugang erfordert logistischen Aufwand und ist nicht im normalen Reiseprogramm vorgesehen.

Massenentwicklung und Klimawandel

Der Perito Moreno zählt zu den wenigen patagonischen Gletschern, bei denen eine ausgeprägte Rückzugsdynamik lange nicht beobachtet wurde. In Perioden baute sich der Gletscher so weit vor, dass er den Lago Argentino von seinem Seitenarm Brazo Rico abtrennte und ein natürlicher Eisdamm entstand. Wenn der Druck des aufgestauten Wassers die Eisstruktur überwältigte, brach der Damm spektakulär zusammen — ein Ereignis, das unregelmäßig, aber mehrfach in den letzten Jahrzehnten beobachtet wurde. Aktuelle Beobachtungen zeigen allerdings auch beim Perito Moreno Anzeichen eines leichten Nettoverlustes.

Der Upsala hat dagegen einen der dramatischsten Rückzüge unter allen patagonischen Gletschern erfahren. In den vergangenen drei Jahrzehnten hat er mehrere Kilometer seiner Länge verloren und eine Fläche aufgegeben, die zuvor mit dichtem Eis bedeckt war. Wo früher eine einheitliche Gletscherfront stand, haben sich heute mehrere getrennte Eiszungen mit dazwischenliegenden Seen entwickelt.

Welchen sollte man wählen?

Wer einmal nach El Calafate kommt und nur einen Tag Zeit hat, sollte zum Perito Moreno. Die Kombination aus Nahbarkeit, Dramatik und Zugänglichkeit macht ihn zu einem der lohnendsten Naturerlebnisse auf dem gesamten Kontinent. Wer länger bleibt und die Einsamkeit der patagonischen Weite sucht, sollte den Upsala nicht auslassen. Die Bootsfahrt durch das Eisbergfeld ist ein Erlebnis eigener Art — ruhiger, abstrakter, aber nicht weniger beeindruckend.

Beide Gletscher zeigen, wie unterschiedlich das patagonische Eis auf Besucherinnen und Besucher wirken kann: als tosende Theaterbühne im Falle des Perito Moreno, als stille Einöde im Falle des Upsala.

Erkundige dich auf der Karte nach weiteren patagonischen Gletschern und dem gesamten Südpatagonischen Eisfeld.