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Moränentypen und ihre Entstehung

In jedem Hochgebirge, das einst vergletschert war oder heute noch vergletschert ist, begegnet man ihnen: hügeligen Rücken aus unsortierten Gesteinsmassen, die sich wie Wälle oder Bögen durch die Landschaft ziehen oder als seitliche Dämme an den Talwänden liegen. Das sind Moränen — die gesteinlichen Hinterlassenschaften von Gletschern, die Schutt transportieren, einige davon über Hunderte von Kilometern, um ihn schließlich an einem definierten Ort abzuladen.

Moränen sind für Geologen und Klimahistoriker unverzichtbar. Sie dokumentieren den früheren Gletscherstand und erlauben Rückschlüsse auf vergangene Temperaturen, Niederschlagsmuster und die räumliche Ausdehnung historischer Vereisung. Gleichzeitig bilden Moränen den Untergrund für viele alpine Ökosysteme und prägen die Topographie von Gebirgs- und Voralpenregionen weltweit.

Lateralmoränen: Die seitlichen Schuttdämme

Wenn ein Gletscher ein Tal hinabfließt, wird er auf beiden Seiten von Felswänden begleitet, von denen ständig Gestein abbricht — durch Frost, Auftauzyklen und die Erschütterungen durch den Gletscher selbst. Dieses Gesteinsmaterial fällt auf die seitlichen Ränder des Gletschers und wird dort als Supraglazialfracht (auf der Eisoberfläche) mitgeführt.

Am Rand des Gletschers, zwischen Eis und Felswand, häuft sich dieses Material zu einem längs verlaufenden Schuttwall auf: der Lateralmoräne. Aktive Lateralmoränen sind an lebenden Gletschern sichtbar als dunkle, steile Rücken, die den Gletscherrand begleiten.

Wenn ein Gletscher schmilzt, bleibt die Lateralmoräne als erhöhter Rücken an der Talwand zurück und dokumentiert den früheren Höhenstand des Gletscherspiegels. In vielen Alpentälern lassen sich ältere, höher gelegene Lateralmoränen von jüngeren, tieferen unterscheiden — jede entspricht einem früheren maximalen Gletscherstand.

Am Großen Aletschgletscher im Kanton Wallis sind die Lateralmoränen besonders beeindruckend. Der Kontrast zwischen der heutigen Gletscheroberfläche und den mächtigen Moränenwällen, die auf beiden Seiten weit über das heutige Eis aufragen, macht den Rückzug des letzten Jahrhunderts unmittelbar sichtbar.

Endmoränen: Marksteine des Gletscherstillstandes

Eine Endmoräne — auch Stirnmoräne oder Terminalmoräne — entsteht am unteren Ende eines Gletschers, an der Gletscherzunge. Hier bringt das Eis sein Schuttmaterial zum ablagern: Gestein, das von weit her transportiert wurde, türmt sich bogenförmig vor der Gletscherzunge auf.

Endmoränen entstehen am eindrucksvollsten, wenn der Gletscher über einen längeren Zeitraum am selben Ort verharrt — also wenn Schmelze und Zufluss sich die Waage halten. In diesem Fall wird über viele Jahre hinweg Material an derselben Stelle abgelagert, was zu einem besonders hohen und markanten Moränenwall führt.

Die Endmoränen der letzten Eiszeit — vor etwa 10.000 bis 20.000 Jahren — sind in vielen Teilen Europas und Nordamerikas als markante Geländeformen erhalten. Im Alpenvorland bilden mehrere Staffeln von Endmoränen die Grundlage für die Unterscheidung verschiedener Gletschervorstöße. Der Drumlin-Kreis von Andechs südlich von München und die Seenlandschaft des bayerischen Voralpenlands entstanden größtenteils durch das Zusammenspiel von Endmoränen, Seitenmoränen und glazialen Schmelzwässern.

Mittelmoränen: Wenn zwei Gletscher sich treffen

Mittelmoränen entstehen, wenn zwei Gletscher zusammenfließen. Jeder Gletscher trägt auf seiner Außenseite eine Lateralmoräne; wenn sich die Ränder beider Gletscher vereinigen, verbinden sich die beiden Lateralmoränen zu einem medianen Rücken in der Mitte des zusammengeflossenen Gletschers — der Mittelmoräne.

Dieser dunkle, Schuttbeladene Streifen wird dann in der Mitte des vereinten Gletschers nach unten transportiert. An Gletschern, in die mehrere Tributäre einmünden, entstehen so mehrere parallele Mittelmoränen, die gemeinsam den Gletscher wie ein Strichcode färben. An langen Gletschern wie dem Fedtschenko in Tadschikistan oder dem Biafo im Karakorum sind solche Mehrfach-Mittelmoränen gut sichtbar.

Grundmoräne: Das Bett des Gletschers

Die Grundmoräne — auch als Till oder Geschiebemergel bezeichnet — ist das Material, das ein Gletscher an seiner Basis unter sich herträgt und beim Schmelzen direkt auf den Untergrund ablagert. Im Gegensatz zu anderen Moränentypen ist Grundmoränenmaterial nicht schichtweise sortiert, sondern völlig heterogen: Ton, Schluff, Sand, Kies und Blöcke aller Größen liegen regellos gemischt.

Dieser unsortierte Charakter ist typisch für glazial abgelagerte Sedimente und unterscheidet sie eindeutig von fluvial oder limnisch abgelagerten Sedimenten, die durch Strömung sortiert werden. Grundmoränenablagerungen bedecken weite Teile Norddeutschlands, Polens, Skandinaviens und der norddeutschen und osteuropäischen Tiefebenen — das Ergebnis des Vorrückens und Rückzugs des skandinavischen Eisschilds.

Moränen als Klimaarchive

Die Datierung von Moränen durch kosmogene Nuklide, Lichenometrie (Messung von Flechtengrößen als Zeitindikator) und andere Methoden erlaubt die zeitliche Rekonstruktion von Gletschervorstößen. In vielen Gebirgen der Welt wurden in den letzten Jahrzehnten detaillierte Moränenkartierungen durchgeführt, die einen überraschend abwechslungsreichen Rhythmus von Vor- und Rückzügen enthüllten.

Auf der Karte lassen sich aktive Gletscher und die von ihnen hinterlassenen Moränenlandschaften weltweit erkunden.