Eiskappen und Eisfelder: Unterschiede und Bedeutung
Zwischen einem einzelnen Talgletscher und einem ausgewachsenen Eisschild wie dem grönländischen oder antarktischen gibt es eine ganze Kategorieskala von Eisformen. Eiskappen und Eisfelder belegen den mittleren Bereich dieser Skala: Sie sind zu groß, um als einzelne Gletscher zu gelten, aber zu klein und zu sehr von der darunterliegenden Topographie beeinflusst, um als echte Eisschilde zu zählen. Dieses Mittelfeld zu verstehen ist wichtig, weil Eiskappen und Eisfelder weltweit erhebliche Süßwassermengen speichern und für die regionalen Wasserkreisläufe von zentraler Bedeutung sind.
Was ist eine Eiskappe?
Eine Eiskappe ist eine domförmige Eismasse, die eine Bergkuppe oder ein Plateau vollständig bedeckt und von der Topographie des darunter liegenden Geländes kaum beeinflusst wird. Der Schlüsselbegriff ist die Domform: Das Eis fließt radialsymmetrisch von einem zentralen Hochpunkt nach außen ab, unabhängig von der Richtung der darunterliegenden Täler und Rücken.
Eiskappen entstehen, wenn die Eisakkumulation groß genug ist, um die gesamte darunterliegende Topographie zu überwältigen und zu bedecken. Sie können Größen von wenigen Quadratkilometern bis zu einigen tausend Quadratkilometern erreichen. Als Faustregel gilt: Eismassen unter etwa 50.000 Quadratkilometern, die eine domförmige Struktur aufweisen, werden als Eiskappen klassifiziert; größere Massen sind Eisschilde.
Island ist das Land der Eiskappen: Der Vatnajökull mit rund 7.900 Quadratkilometern ist der größte Gletscher Europas und die größte Eiskappe Islands. Daneben gibt es den Langjökull, den Hofsjökull, den Mýrdalsjökull und den Snæfellsjökull — alle Eiskappen, alle von aktiven Vulkanen unterlagert, was die Dynamik und die Gefahrenlage besonders komplex macht.
Eisfelder: Topographisch beeinflusst
Ein Eisfeld unterscheidet sich von einer Eiskappe dadurch, dass die Topographie des Untergrundes noch deutlich sichtbar und prägend ist. Das Eis füllt die Täler zwischen den Bergen, bedeckt aber nicht alle Gipfel — diese ragen als sogenannte Nunataks aus dem Eis heraus. Das Eisfeld hat keine reine Domform, sondern folgt in gewissem Maß dem Relief.
Das Patagonische Eisfeld — aufgeteilt in das Nordpatagonische Eisfeld (Campo de Hielo Patagónico Norte) und das Südpatagonische Eisfeld (Campo de Hielo Patagónico Sur) — ist das drittgrößte Eis-Reservoir auf der Erde nach den Polkappen. Das südliche Eisfeld hat eine Fläche von rund 12.000 Quadratkilometern und speist rund 50 größere Gletscher, darunter den berühmten Perito Moreno und den Upsala-Gletscher.
Das Columbia Icefield in den kanadischen Rockies, zwischen Banff und Jasper National Park, ist ein klassisches Eisfeld: Mehrere Gipfel ragen als Nunataks aus dem Eis, und von der zentralen Masse strahlen benannte Gletscher wie der Athabasca-Gletscher und der Columbia-Gletscher nach außen aus.
Arktische Eiskappen
In der Arktis gibt es zahlreiche Eiskappen auf Inseln und Archipelen, die nicht zu Grönland oder dem arktischen Festland gehören. Die Eiskappen von Spitzbergen (Svalbard) bedecken etwa 60 Prozent der Inselgruppe und sind einer der am besten untersuchten Eismassen der Arktis, teils wegen ihrer Zugänglichkeit für europäische Forschungseinrichtungen, teils wegen ihrer schnellen Reaktion auf den Klimawandel.
Auf der russischen Insel Nowaja Semlja gibt es ebenfalls ausgedehnte Eiskappen auf der nördlichen Inselregion. Franz-Josef-Land und die Insel Ellesmere im kanadischen arktischen Archipel tragen bedeutende Eiskappen. Die Barnes Ice Cap auf Baffin Island gilt als Überrest der letzten kontinentalen Vereisung Nordamerikas und ist damit eines der ältesten noch existierenden Gletschers auf der Erde außerhalb der polaren Eisschilde.
Unterschied zu Eisschilden
Der Unterschied zwischen einer Eiskappe und einem Eisschild ist größtenteils quantitativ. Die Eisschilde Grönlands (rund 1,7 Millionen Quadratkilometer) und der Antarktis (rund 14 Millionen Quadratkilometer) überragen alle anderen Eisformen in schlichter Größe. Unter ihrem eigenen Gewicht biegen sie die Erdkruste nach unten; der grönländische Felsuntergrund liegt in weiten Teilen unter dem Meeresspiegel, weil das Eis die Kruste isostatisch nach unten drückt.
Eiskappen und Eisfelder haben diesen Maßstab nicht, reagieren aber oft schneller auf Klimaänderungen: weil sie kleiner sind, ist der Anteil der Ablationszone am Gesamtvolumen höher, und Massenveränderungen sind relativ gesehen deutlicher.
Bedeutung für den Meeresspiegel
Das Volumen des in Eiskappen und Eisfeldern gespeicherten Wassers ist klimatisch bedeutsam, auch wenn es gemessen an den polaren Eisschilden gering wirkt. Würden alle Gebirgsgletscher und Eiskappen der Erde vollständig schmelzen, stiege der Meeresspiegel um schätzungsweise 40 bis 50 Zentimeter. Das ist vergleichsweise wenig gegenüber den mehreren Metern aus dem Grönlandeis oder den Dutzenden von Metern aus der Antarktis, aber auf Zeitskalen von Jahrzehnten bis Jahrhunderten eines der relevantesten Meeresspiegelantriebs.
Auf der Karte lassen sich die Positionen aller bedeutenden Eisfelder und Eiskappen weltweit erkunden und ihre aktuelle Ausdehnung nachvollziehen.